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Albblicke – Geschichten hinter den Momenten: Der Uracher Wasserfall im Februar

Wenn der Regen die Alb zum Rauschen bringt

Albblicke – Geschichten hinter den Momenten: Der Uracher Wasserfall im Februar – Wenn der Regen die Alb zum Rauschen bringt

In unserer Rubrik „Albblicke – Geschichten hinter den Momenten“ präsentieren wir euch regelmäßig besondere Momente und Orte der Schwäbischen Alb. Heute haben wir gleich drei besondere Aufnahmen für euch mitgebracht, die den Uracher Wasserfall aus verschiedenen Perspektiven zeigen: den mächtigen Hauptfall, eingefasst von moosbewachsenen Felsen und kahlem Winterwald, den unteren Bereich, wo sich das Wasser seinen Weg über bemooste Kalktuffstufen in den Brühlbach bahnt, und eine dritte Ansicht, die das gesamte Naturschauspiel in seiner winterlichen Pracht einfängt. Zusammen nehmen sie euch mit auf eine Reise, die sowohl die Schönheit als auch die Geschichte dieses einzigartigen Ortes enthüllt.

Ein regnerischer Februartag auf der Schwäbischen Alb. Der Himmel hängt tief über dem Maisental, die Luft riecht nach nassem Laub und feuchtem Kalkstein. Eigentlich kein Tag, an dem man zum Wandern aufbricht – und doch genau der richtige Moment, um den Uracher Wasserfall von seiner kraftvollsten Seite zu erleben. Denn wenn der Regen die Alb durchnässt und die Schneeschmelze einsetzt, verwandelt sich der sonst so sanft plätschernde Fall in ein tosendes Naturschauspiel, das einem den Atem raubt.

Uracher Wasserfall Schwäbische Alb Frontalansicht im Februar mit viel Wasser und moosbewachsenen Felsen

Der Uracher Wasserfall an einem regnerischen Februartag – wenn die Alb viel Niederschlag bekommt, zeigt sich der höchste Wasserfall der Schwäbischen Alb von seiner beeindruckendsten Seite

37 Meter freier Fall – ein Naturwunder aus Wasser und Stein

Der Uracher Wasserfall ist nicht irgendein Wasserfall. Er ist der höchste und bekannteste der Schwäbischen Alb und gehört zweifellos zu den Top-Sehenswürdigkeiten der Region. Jedes Jahr zieht er rund 300.000 Besucher in das idyllische Maisental bei Bad Urach. 37 Meter stürzt das Wasser des Brühlbachs hier frei in die Tiefe, schlägt auf einer gewaltigen Kalktuffstufe auf und fließt dann weitere 50 Meter über ein steil abfallendes, moosbewachsenes Kalktuffpolster ins Tal. Insgesamt überwindet das Wasser also fast 90 Höhenmeter – ein Schauspiel, das je nach Jahreszeit und Niederschlag ganz unterschiedlich wirkt.

Die Wassermenge schwankt dabei enorm: Im Hochsommer kann es sein, dass nur rund 70 Liter pro Sekunde über die Kante rieseln – ein eher bescheidenes Rinnsal. Doch nach starken Regenfällen oder während der Schneeschmelze im Spätwinter können es bis zu 420 Liter pro Sekunde sein, die sich tosend in die Tiefe stürzen. Dann teilt sich der Fall sogar in mehrere mächtige Wasserarme, die sich erst weiter unten wieder zum Brühlbach vereinen. Genau so haben wir ihn an diesem Februartag erlebt – kraftvoll, laut und von einer geradezu archaischen Schönheit.

Lebendiger Fels – wie der Wasserfall sich selbst erschafft

Was den Uracher Wasserfall geologisch so einzigartig macht, ist ein faszinierender Prozess, der sich direkt vor deinen Augen abspielt – auch wenn er Jahrtausende braucht. Das Wasser des Brühlbachs stammt aus einer Karstquelle auf der Hochwiese oberhalb des Wasserfalls – ein ähnliches geologisches Phänomen wie beim berühmten Blautopf in Blaubeuren. Etwa vier Kilometer nordöstlich von Würtingen sickert Regenwasser durch die porösen Kalksteinschichten der Schwäbischen Alb und nimmt dabei Kalk auf. Nach rund 28 Stunden unterirdischer Reise tritt es als kristallklares Quellwasser wieder an die Oberfläche.

Sobald dieses kalkhaltige Wasser an die Luft kommt, wird Kohlendioxid freigesetzt – und der gelöste Kalk fällt als festes Calciumcarbonat aus. Er lagert sich an den Moospolstern und Steinen ab und bildet so den charakteristischen Kalktuff, dieses poröse, hellgraue Gestein, das dem Wasserfall sein einzigartiges Aussehen verleiht. Man kann dem Felsen hier förmlich beim Wachsen zusehen – ganz ähnlich wie bei den faszinierenden Sinterterrassen der Weißen Lauter bei Gutenberg! An der Absturzkante bildet sich sogar eine immer weiter herausragende „Kalktuffnase“, die von Zeit zu Zeit unter ihrem eigenen Gewicht abbricht – zuletzt geschah das 1944 und 1951.

Übrigens: Das heutige Erscheinungsbild des Wasserfalls ist gar nicht so alt, wie man denken könnte. Ursprünglich verteilte sich das Wasser auf zahlreiche kleine Rinnsale. Erst Ende des 19. Jahrhunderts wurden diese in einem Bachbett zusammengeführt, wodurch der imposante, gebündelte Wasserfall entstand, den wir heute kennen. Der Kalktuff selbst wurde früher sogar als Baumaterial abgebaut – unter anderem für die Uracher Amanduskirche.

Uracher Wasserfall unterer Bereich Kalktuffstufen Brühlbach moosbewachsen Bad Urach

Weiter unten am Wasserfall fließt das Wasser über moosbewachsene Kalktuffstufen ab in den Brühlbach – ein faszinierendes Zusammenspiel aus Wasser, Moos und lebendigem Gestein

Mörikes Sehnsuchtsort – Dichtung und Wasserrauschen

Der Uracher Wasserfall hat nicht nur Wanderer und Naturfreunde inspiriert, sondern auch einen der bedeutendsten schwäbischen Dichter: Eduard Mörike. Der 1804 in Ludwigsburg geborene Lyriker verbrachte prägende Jugendjahre am evangelisch-theologischen Seminar in Urach und schloss dort lebenslange Freundschaften – unter anderem mit Wilhelm Hartlaub und Johannes Mährlen. Die wilde Schönheit des Maisentals und das Tosen des Wasserfalls brannten sich tief in seine Erinnerung ein.

1827, zwei Jahre nach einem Besuch in seiner alten Seminarstadt, schrieb Mörike sein berühmtes Gedicht „Besuch in Urach“. Darin wird der Wasserfall zum Sinnbild für Lebenskraft, Vergänglichkeit und die Sehnsucht nach den unbeschwerten Tagen der Jugend. Die Verse sind so intensiv und bildgewaltig, dass man beim Lesen fast das Rauschen des Wassers zu hören meint. Noch heute ist der Uracher Wasserfall Teil des Bad Uracher Poesiewegs – einer Wanderroute, auf der Stationen mit Gedichten regionaler Dichter wie Mörike, Gustav Schwab und Justinus Kerner aufgestellt sind. Wenn du also das nächste Mal am Wasserfall stehst, denk daran: Du stehst an einem Ort, der schon vor fast 200 Jahren einen der größten deutschen Lyriker zutiefst berührt hat.

Der Weg zum Wasserfall – und warum der Februar perfekt ist

Die Wanderung zum Uracher Wasserfall startet am Wanderparkplatz P23 im Maisental. Von dort führt ein breiter, ebener Weg rund zwei Kilometer am murmelnden Brühlbach entlang – gemütlich, familienfreundlich und sogar mit einem geländegängigen Kinderwagen machbar. Schon auf diesem Weg spürst du, wie die Natur dich langsam einhüllt: Rechts und links dichter Wald, das leise Plätschern des Baches, der Geruch von feuchtem Moos.

Und dann, am Ende des Tals, hörst du ihn schon von Weitem: das dumpfe Donnern des Wasserfalls. Im Februar, wenn die meisten Ausflügler noch zu Hause bleiben, hast du den Wasserfall fast für dich allein. Kein Gedränge, keine Selfie-Schlangen – nur du, der Wald und das tosende Wasser. Die kahlen Bäume geben den Blick auf den gesamten Fall frei, der im Sommer teilweise von Laub verdeckt wird. Und wenn nach einem Regenfall besonders viel Wasser über die Kante stürzt, erlebst du den Wasserfall in einer Intensität, die im Sommer einfach nicht möglich ist.

Uracher Wasserfall Bad Urach Gesamtansicht winterlich Schwäbische Alb Naturschauspiel

Einfach wunderschön – der Uracher Wasserfall zeigt sich im Winter von einer ganz besonderen Seite, wenn die kahlen Bäume den Blick auf das gesamte Naturschauspiel freigeben

Mein Tipp: Zieh dir wasserfeste Wanderschuhe an und pack eine Regenjacke ein. Der Weg unterhalb des Wasserfalls kann nach Regen rutschig sein, und die Gischt des Falls durchnässt alles in seiner Nähe. Steile Treppenstufen führen seitlich am Wasserfall entlang hinauf zur Hochwiese – von dort hast du einen völlig anderen Blickwinkel und kannst beobachten, wie das Wasser über die Tuffsteinkante in die Tiefe stürzt. Aber Vorsicht: Im Winter sind die Stufen oft gesperrt, und den Bereich direkt hinter dem Wasserfall darfst du nicht mehr betreten – zum Schutz des empfindlichen Kalktuffs und wegen akuter Steinschlaggefahr. Bitte halte dich unbedingt an die Absperrungen!

Mehr als nur ein Wasserfall – Entdeckungen rund ums Maisental

Wer nach dem Wasserfall noch nicht genug hat, dem empfehle ich den Wasserfallsteig – 2016 zu Deutschlands schönstem Wanderweg gekürt. Die rund 10 Kilometer lange Rundtour führt dich nicht nur zum Uracher Wasserfall, sondern auch zum verwunschen gelegenen Gütersteiner Wasserfall, der zwar kleiner, aber auf seine eigene Art mindestens genauso bezaubernd ist. Unterwegs passierst du den ehemaligen Klosterstandort Güterstein, den Fohlenhof des Haupt- und Landgestüts Marbach und genießt vom Rutschenfelsen atemberaubende Ausblicke ins Maisental und auf die Burgruine Hohenurach.

Die Burgruine Hohenurach ist übrigens ein weiteres Highlight, das du dir nicht entgehen lassen solltest. Die im 11. Jahrhundert von den Grafen von Urach errichtete und später zur Landesfestung ausgebaute Burg thront majestätisch auf einem Bergsporn und bietet einen grandiosen Rundblick über Bad Urach und das Ermstal. Wer die Burg erwandern will, dem empfehle ich den Hohenurachsteig – ebenfalls einer der Grafensteige und ein echtes Erlebnis. Der gesamte Bereich um den Wasserfall liegt im UNESCO-Biosphärengebiet Schwäbische Alb, im FFH-Gebiet „Uracher Talspinne“ und im Naturschutzgebiet Rutschen – ein dreifach geschütztes Juwel der Natur. Wer neben dem Wasserfall auch das historische Bad Urach mit seinem malerischen Marktplatz entdecken möchte, findet dort einen der schönsten mittelalterlichen Plätze der Alb.

Warst du schon einmal im Winter am Uracher Wasserfall? Oder kennst du ihn bisher nur von Sommerfotos? Lass mich in den Kommentaren wissen, zu welcher Jahreszeit du den Wasserfall am eindrucksvollsten findest – ich bin gespannt auf deine Erfahrungen!

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Hier findest du die meiner Meinung nach schönsten Ausflugsziele auf der Schwäbischen Alb. An allen Orten bin ich selber mehrfach gewesen. Die Schwäbische Alb bietet einige Sehenswürdigkeiten, die du unbedingt entdecken solltest. Wir sehen uns – auf der wunderschönen Schwäbischen Alb.

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Fakten & Besucherinfos auf einen Blick

  • Adresse: Vorderes Maisental 6, 72574 Bad Urach (Wanderparkplatz P23)
  • Öffnungszeiten: Der Wasserfall ist ganzjährig frei zugänglich. Wasserfallhütte auf der Hochwiese: März bis November. Wasserfallstiege im Winter teilweise gesperrt.
  • Eintrittspreise: Der Zugang ist kostenlos
  • Parkmöglichkeiten: Wanderparkplatz P23 im Maisental, ca. 260 Stellplätze, Tagesticket 5 € (9–17 Uhr), Bezahlung mit Münzen oder EC-Karte. WC-Anlagen vorhanden.
  • Anfahrt ÖPNV: Mit der Ermstalbahn (RB63) bis Haltepunkt „Bad Urach Wasserfall“, von dort ca. 500 m Fußweg zum Wanderparkplatz P23. Bus 7640 ab Metzingen.
  • Barrierefreiheit: Der Weg vom Parkplatz bis zum Fuß des Wasserfalls (ca. 2 km) ist eben und breit. Mit geländegängigem Kinderwagen machbar. Der Aufstieg am Wasserfall selbst ist nicht barrierefrei – Trittsicherheit und festes Schuhwerk erforderlich.
  • Wandertipp: Wasserfallsteig (Premiumwanderweg, ca. 10 km) – Deutschlands schönster Wanderweg 2016
  • Google Maps: Uracher Wasserfall auf Google Maps öffnen
  • Offizielle Website: Mehr Infos auf badurach-tourismus.de >>

Wenn das Wasser die Geschichten erzählt

Es gibt Orte auf der Schwäbischen Alb, die sind so viel mehr als nur Sehenswürdigkeiten. Der Uracher Wasserfall gehört zweifellos dazu. Er ist ein Ort, an dem du die Erdgeschichte hören kannst – im Rauschen des Wassers, das seit Jahrtausenden Kalk ablagert und so ganz langsam den Felsen formt, auf dem es herabstürzt. Ein Ort, an dem ein Dichter vor fast 200 Jahren seine Jugend wiederfand. Ein Ort, der im Hochsommer sanft plätschert und an einem Februartag wie diesem mit einer Wucht tost, die dich demütig werden lässt.

Die Schwäbische Alb braucht keine Superlative und keinen Hochglanz. Sie braucht nur einen Regentag, einen Wasserfall und jemanden, der bereit ist, hinzuhören. Und vielleicht ist genau das der wahre Albblick: nicht das perfekte Foto bei Sonnenschein, sondern der Moment, in dem du durchnässt am Fuß des Wasserfalls stehst, die Gischt im Gesicht spürst und verstehst, warum dieser Ort so viele Menschen berührt – seit Jahrhunderten.

Hi, ich bin Alexander!

Ich bin der Betreiber dieses Blogs und die Schwäbische Alb ist einer meiner Lieblingsplätze seit vielen Jahren. Die unberührte, raue Natur der Alb hat mich schon immer in den Bann gezogen. Mit dem Schwäbische Alb Guide will ich dir diese faszinierende Region näherbringen – denn sie geht neben dem Schwarzwald leider oft ein wenig unter, hat aber unglaublich viel zu bieten!

Da ich hier in der Region lebe und ständig auf der wunderschönen Schwäbischen Alb unterwegs bin, stelle ich dir die schönsten Orte, Sehenswürdigkeiten und Landschaften mit Fotos und Videos vor. Denn die Natur macht glücklich.

Hast du Fragen, ein Geschäft, ein Restaurant oder etwas ganz Besonderes auf der Alb entdeckt – oder eine Idee für guten Inhalt? Schreib mir gerne einen Kommentar – ich freue mich darauf, mir das anzusehen und darüber zu berichten!

Bis dann auf der Alb! ️
– Alex

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Alexander

Hallo, ich bin Alexander und bin der Betreiber dieses Blogs. Die Liebe zur Schwäbischen Alb habe ich schon in jungen Jahren entdeckt. Die unberührte, raue Natur der Alb hat mich schon immer in den Bann gezogen. Besuche mit mir die schönsten Orte auf der Schwäbischen Alb. Denn die Natur macht glücklich.

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