
In unserer Rubrik „Albblicke – Geschichten hinter den Momenten“ präsentieren wir euch regelmäßig besondere Momente und Orte der Schwäbischen Alb. Heute haben wir gleich vier besondere Aufnahmen für euch mitgebracht, die die Burg Derneck aus verschiedenen Perspektiven zeigen: ein atemberaubender Panoramablick über das saftig grüne Lautertal, eine Vogelperspektive auf das historische Burgensemble mit seinen charakteristischen Dächern, die mächtige Schildmauer mit wehender Fahne sowie die malerische Gesamtansicht mit dem strahlend weißen Fachwerkhaus vor der mittelalterlichen Ruine. Zusammen nehmen sie euch mit auf eine Reise, die sowohl die Schönheit als auch die Geschichte dieses einzigartigen Ortes enthüllt.
Das Zusammenspiel von mittelalterlicher Ruine und historischem Fachwerkhaus macht den besonderen Charme der Burg Derneck aus – hier verschmelzen 700 Jahre Geschichte zu einem harmonischen Ganzen.
Stell dir vor: Du stehst auf einem alten Bergsporn, 655 Meter über dem Meeresspiegel, und blickst hinab ins Große Lautertal. Der Wind trägt den Duft von Wacholderheide und feuchtem Buchenwald herauf. Vor dir erhebt sich eine mächtige Schildmauer aus dem 14. Jahrhundert, hinter dir lädt ein gemütliches Fachwerkhaus zum Verweilen ein. Das ist Burg Derneck – ein Ort, an dem Mittelalter und Gegenwart auf wunderbare Weise verschmelzen.
Inhaltsverzeichnis
- Vom Ritter Degenhart zum beliebten Wanderheim
- Im Herzen des Tals der Burgen
- Schildmauer statt Bergfried – eine architektonische Besonderheit
- Übernachten wie ein Burgherr – Wanderheim und Burgschänke
- Wanderparadies rund um die Burg
- Hast du die Burg Derneck schon besucht?
- Fakten & Besucherinfos auf einen Blick
- Ein Ort, der die Seele berührt
Vom Ritter Degenhart zum beliebten Wanderheim
Die Geschichte der Burg Derneck beginnt um das Jahr 1350, als ein Mann namens Degenhart I. von Gundelfingen beschloss, sich hoch über dem Lautertal eine neue Heimat zu errichten. Er entstammte der Linie Niedergundelfingen eines mächtigen schwäbischen Adelsgeschlechts und wählte diesen strategischen Bergsporn für seine Festung. Der Name der Burg? Ganz einfach: „Degeneck“ – nach dem Erbauer selbst. Im Laufe der Jahrhunderte wurde daraus das heutige „Derneck“.
Die erste urkundliche Erwähnung datiert auf den 27. Februar 1351, als sich erstmals ein Adliger stolz mit dem Zusatz „von Degeneck“ bezeichnete. Die Gundelfinger selbst haben eine faszinierende Vorgeschichte: Der Stammvater Swigger I. wurde einst wegen eines Totschlags aus Bayern verbannt und schuf sich im 12. Jahrhundert eine neue Heimat im Lautertal. Aus dem geflohenen Totschläger wurde der Begründer eines mächtigen Adelsgeschlechts – eine Geschichte, die der Autor Gunter Haug in seinem Roman „Der erste Kreuzritter“ eindrucksvoll verewigt hat.
Mit dem Tod des kinderlosen Swigger XXIX. am 26. Dezember 1546 erlosch das Geschlecht der Gundelfinger. Was folgte, war ein bunter Reigen wechselnder Besitzer: Die Burg ging an die Grafen von Helfenstein, dann an das Haus Fürstenberg, später an die Familie Speth von Zwiefaltendorf. Ein düsteres Kapitel schrieb das Jahr 1686, als sich auf der Burg ein bis heute unaufgeklärter Mord an einer Frau und ihren drei Kindern ereignete.
Die mächtige Schildmauer ist das Herzstück der Burganlage – sie ersetzte den klassischen Bergfried und bot den Bewohnern optimalen Schutz vor Angreifern.
Das Königreich Württemberg erwarb die Burg 1828 und richtete eine Försterei ein, die bis 1965 betrieben wurde. Zwei Jahre später begann eine neue Ära: Der Schwäbische Albverein übernahm die Anlage und wandelte sie nach aufwendiger Sanierung zum Wanderheim um. Seitdem haben über 250.000 Gäste hier übernachtet – und die Burg Derneck zu einem der beliebtesten Wanderheime der Schwäbischen Alb gemacht.
Im Herzen des Tals der Burgen
Die Burg Derneck liegt im Ortsteil Münzdorf der Stadt Hayingen im Landkreis Reutlingen. Das Große Lautertal, in dem sie thront, gilt nicht umsonst als „Perle der Schwäbischen Alb“ – und als eine der burgenreichsten Regionen ganz Deutschlands. Auf nur 37 Kilometern Flusslänge reihen sich hier 18 bis 20 Burgen und Burgstellen aneinander wie Perlen auf einer Schnur.
Die Landschaft ringsum ist typisch für die Schwäbische Alb: Schroffe Kalksteinfelsen wechseln sich ab mit sanften Wacholderheiden, die mäandrierende Große Lauter schlängelt sich durch das Tal, und an den Hängen stehen alte Buchenwälder. Nur 400 Meter südlich der Burg öffnet sich die Bettelmannshöhle – eine Karsthöhle, in der schon steinzeitliche Jäger Schutz suchten. Die gesamte Region ist Teil des UNESCO-Biosphärengebiets Schwäbische Alb.
Dieser Ausblick über das saftig grüne Lautertal ist der Grund, warum ich immer wieder zur Burg Derneck zurückkehre – bei jedem Besuch entdecke ich neue Nuancen dieser atemberaubenden Landschaft.
Schildmauer statt Bergfried – eine architektonische Besonderheit
Wenn du vor der Burg Derneck stehst, fällt dir sofort die mächtige Schildmauer ins Auge. Mit knapp 16 Metern Länge und etwa 4,70 Metern Stärke schützte sie die Nordseite der Anlage – die potenzielle Angriffsseite. Das Besondere: Die Burg besaß nie einen klassischen Bergfried! Die Schildmauer übernahm seine Funktion vollständig.
Im Laufe des 14. und 15. Jahrhunderts wurde sie zum wohnturmartigen „Steinhaus“ ausgebaut. Im Inneren findest du noch heute begehbare Wehrgänge mit Schießscharten – manche davon zeigen sogar nach innen zur Kernburg. Ein cleverer Schachzug: Sollte ein Angreifer die äußeren Mauern überwinden, konnten sich die Verteidiger hierhin zurückziehen und weiterkämpfen.
Charakteristisch sind die Buckelquader an Schildmauer und Turm mit etwa 4 Zentimetern Randschlag. Diese aufwendig behauenen Steine waren im Mittelalter ein Statussymbol – sie signalisierten Macht und Wohlstand des Burgherrn. Das heutige Wanderheim befindet sich im ehemaligen Försterhaus, dessen Fachwerkstock von 1768 auf einem älteren massiven Unterbau ruht. Im Untergeschoss hat sich sogar eine Eichenbalkendecke aus dem späten 14. oder frühen 15. Jahrhundert erhalten!
Aus der Vogelperspektive erkennst du die verschiedenen Gebäudeteile der Burganlage – das weiße Fachwerkhaus beherbergt heute das gemütliche Wanderheim mit Burgschänke.
Übernachten wie ein Burgherr – Wanderheim und Burgschänke
Das Besondere an der Burg Derneck: Du kannst hier nicht nur Geschichte bestaunen, sondern mittendrin übernachten! Das Wanderheim des Schwäbischen Albvereins bietet 41 Schlafplätze in gemütlichen Mehrbettzimmern und Matratzenlagern. Die Preise sind erfreulich wandererfreundlich: Zwischen 7 und 13 Euro pro Person zahlst du für eine Nacht – Selbstverpflegung inklusive. Die vollausgestattete Küche mit Holz- und Elektroherd steht dir zur Verfügung, und in der gemütlichen Christian-Schilling-Stube mit Kachelofen lässt es sich wunderbar den Abend ausklingen.
Tagsüber lockt die Burgschänke mit selbstgebackenen Kuchen, kleinen Vespermahlzeiten und erfrischenden Getränken. Der ehrenamtliche Burgdienst – allesamt begeisterte Albvereinler aus der Region – sorgt für echte schwäbische Gastfreundschaft. Mein Tipp: Probier unbedingt den hausgemachten Kuchen! Die Saison 2025 läuft vom 12. April bis 2. November, täglich von 10 bis 19 Uhr geöffnet.
Die Burganlage selbst ist übrigens ganzjährig frei zugänglich – auch außerhalb der Öffnungszeiten kannst du durch den Burghof spazieren und den Ausblick von der Schildmauer genießen. Ein kostenloser Wanderparkplatz liegt unterhalb der Burg, von dort sind es etwa 500 Meter Fußweg hinauf.
Wanderparadies rund um die Burg
Die Burg Derneck ist der perfekte Ausgangspunkt für Wanderungen durch das Große Lautertal. Mein absoluter Favorit ist der Premiumwanderweg „hochgehswiggert“, der auf 6,2 Kilometern von der Burg zur imposanten Ruine Hohengundelfingen führt. Mit 211 Höhenmetern und einer Gehzeit von etwa zweieinhalb Stunden ist die Tour auch für Familien gut machbar – und der teilweise alpine Charakter mit Serpentinen macht sie besonders reizvoll.
Für ambitionierte Wanderer empfehle ich die große Burgentour: 12 Kilometer zu den Ruinen Hohenhundersingen, Bichishausen und Hohengundelfingen. Wer noch mehr will, erkundet auf 31 Kilometern gleich neun Burgen des Lautertals! Die Burg liegt direkt am Hauptwanderweg HW 5, der von Schwarzwald über die Schwäbische Alb bis ins Allgäu führt.
Radfahrer profitieren vom Lautertal-Radweg, der direkt an der Burg vorbeiführt. Eine E-Bike-Ladestation steht zur Verfügung – praktisch für längere Touren. Kombinieren lässt sich ein Besuch ideal mit dem Landesgestüt Marbach, dem barocken Münster Zwiefalten oder dem romantischen Schloss Lichtenstein.
️ Mehr Ausflugsziele entdecken
Hier findest du die meiner Meinung nach schönsten Ausflugsziele auf der Schwäbischen Alb. An allen Orten bin ich selber mehrfach gewesen. Die Schwäbische Alb bietet einige Sehenswürdigkeiten, die du unbedingt entdecken solltest. Wir sehen uns – auf der wunderschönen Schwäbischen Alb.
Hast du die Burg Derneck schon besucht?
Mich würde brennend interessieren: Warst du schon einmal auf der Burg Derneck? Hast du dort vielleicht sogar übernachtet oder einen selbstgebackenen Kuchen in der Burgschänke probiert? Welche Wanderroute im Lautertal hat dich am meisten begeistert? Oder planst du gerade deinen ersten Besuch und hast noch Fragen?
Schreib mir gerne in die Kommentare! Ich freue mich über jeden Austausch mit anderen Alb-Begeisterten. Und wenn du einen Geheimtipp für die Region hast, den ich noch nicht kenne – immer her damit!
Fakten & Besucherinfos auf einen Blick
- Adresse: Schlosshalde 1, 72534 Hayingen-Münzdorf
- Öffnungszeiten Burgschänke 2025: 12. April – 2. November, täglich 10–19 Uhr
- Übernachtungspreise: 7–13 € pro Person (Selbstverpflegung), zzgl. 4 € Bettwäsche, 2 € Reinigung
- Schlafplätze: 41 Betten in Mehrbettzimmern und Matratzenlagern
- Parkmöglichkeiten: Kostenloser Wanderparkplatz unterhalb der Burg (ca. 500 m Fußweg)
- Anfahrt ÖPNV: Buslinien RAB345/345A bis Gundelfingen, dann ca. 1 km Fußweg
- Barrierefreiheit: Eingeschränkt – Schlafräume nur über Treppen erreichbar
- Kontakt Wanderheim: Tel. 0152 37195365, E-Mail: burg-derneck@web.de
- Kontakt Burgschänke: Tel. 07386/217
- Google Maps: Burg Derneck auf Google Maps öffnen
- Offizielle Website: Mehr Infos beim Schwäbischen Albverein >>
Ein Ort, der die Seele berührt
Es gibt Orte auf der Schwäbischen Alb, die bleiben im Herzen. Die Burg Derneck ist einer davon. Hier spürst du, wie sich Vergangenheit und Gegenwart die Hand reichen. Du wanderst auf den Spuren mittelalterlicher Ritter, genießt den Ausblick, den schon Degenhart von Gundelfingen vor fast 700 Jahren bewundert hat, und legst dich abends in einem historischen Gemäuer schlafen – während draußen die Eulen rufen und der Mond über dem Lautertal aufgeht.
Die Burg Derneck erinnert uns daran, wie wertvoll es ist, solche Orte zu bewahren. Der Schwäbische Albverein und seine ehrenamtlichen Helfer leisten hier seit über 50 Jahren Großartiges. Sie halten die Geschichte lebendig und schenken uns allen die Möglichkeit, für einen Moment dem Alltag zu entfliehen und einzutauchen in eine andere Zeit. Also: Pack deinen Rucksack, schnür die Wanderschuhe und mach dich auf den Weg ins Große Lautertal. Die Burg Derneck wartet auf dich!
Hi, ich bin Alexander!
Ich bin der Betreiber dieses Blogs und die Schwäbische Alb ist einer meiner Lieblingsplätze seit vielen Jahren. Die unberührte, raue Natur der Alb hat mich schon immer in den Bann gezogen. Mit dem Schwäbische Alb Guide will ich dir diese faszinierende Region näherbringen – denn sie geht neben dem Schwarzwald leider oft ein wenig unter, hat aber unglaublich viel zu bieten!
Da ich hier in der Region lebe und ständig auf der wunderschönen Schwäbischen Alb unterwegs bin, stelle ich dir die schönsten Orte, Sehenswürdigkeiten und Landschaften mit Fotos und Videos vor. Denn die Natur macht glücklich.
Hast du Fragen, ein Geschäft, ein Restaurant oder etwas ganz Besonderes auf der Alb entdeckt – oder eine Idee für guten Inhalt? Schreib mir gerne einen Kommentar – ich freue mich darauf, mir das anzusehen und darüber zu berichten!
Bis dann auf der Alb! ️
– Alex



