
In unserer Rubrik „Albblicke – Geschichten hinter den Momenten“ präsentieren wir euch regelmäßig besondere Momente und Orte der Schwäbischen Alb. Heute haben wir gleich zwei besondere Aufnahmen für euch mitgebracht: das leuchtende Türkisblau der berühmtesten Karstquelle Deutschlands, umrahmt von saftigem Sommergrün, und den malerischen Blick auf die historische Hammerschmiede, die sich wie aus einem Märchenbuch im glasklaren Wasser spiegelt. Gemeinsam nehmen sie euch mit auf eine Reise, die sowohl die Schönheit als auch die Geschichte dieses einzigartigen Ortes enthüllt.

Das intensive Türkisblau des Blautopfs ist weltweit einzigartig – am schönsten leuchtet die Quelle an sonnigen Tagen nach längeren Trockenperioden.
Es gibt Orte, die verzaubern dich beim ersten Blick. Der Blautopf in Blaubeuren ist so ein Ort. Wenn du zum ersten Mal vor diesem leuchtenden Türkis stehst, fragst du dich unwillkürlich, ob das wirklich echt sein kann. Dieses Blau – so intensiv, so unwirklich schön – scheint direkt aus einem Traum zu stammen. Kein Wunder, dass hier einst eine Nixe gelebt haben soll.
Mit über 500.000 Besuchern jährlich gehört der Blautopf zu den meistbesuchten Natursehenswürdigkeiten Baden-Württembergs. Doch hinter dem Instagram-tauglichen Postkartenmotiv verbirgt sich so viel mehr: eine faszinierende Unterwelt, die zu den längsten Höhlensystemen Deutschlands gehört, eine der schönsten schwäbischen Sagen und eine geologische Geschichte, die Millionen Jahre zurückreicht.
Inhaltsverzeichnis
- Ein Fenster in die Unterwelt der Schwäbischen Alb
- Die traurige Nixe, die das Lachen lernte
- Die Hammerschmiede – wo Wasserkraft Geschichte schrieb
- Das Geheimnis der blauen Farbe
- Blaubeuren – mehr als nur der Blautopf
- Tipps für deinen perfekten Besuch
- Fakten & Besucherinfos auf einen Blick
- Ein Ort, der die Seele berührt
Ein Fenster in die Unterwelt der Schwäbischen Alb
Der Blautopf ist die zweitgrößte Karstquelle Deutschlands – und was für eine! Durchschnittlich 2.300 Liter kristallklares Wasser sprudeln hier pro Sekunde aus der Tiefe empor. Der trichterförmige Quelltopf misst etwa 40 Meter im Durchmesser und reicht 21 Meter in die Tiefe. Doch das ist nur der sichtbare Teil eines gewaltigen unterirdischen Systems.
Die Schwäbische Alb besteht aus klüftigem Kalkstein, der wie ein riesiger Schwamm funktioniert. Regenwasser versickert auf einer Fläche von etwa 160 Quadratkilometern, bahnt sich seinen Weg durch unzählige Spalten und Höhlen und tritt schließlich hier am Blautopf wieder ans Tageslicht. Was wir sehen, ist quasi das Ventil eines gigantischen unterirdischen Flusssystems.
Das Blauhöhlensystem, das sich unter dem Blautopf erstreckt, ist mit über 18 Kilometern erforschten Gängen das längste Höhlensystem der Schwäbischen Alb. Der Zugang zur Unterwasserhöhle beginnt in etwa 22 Metern Tiefe durch die sogenannte „Düse“ – eine nur 1,4 Meter breite Engstelle, die nur von erfahrenen Höhlentauchern passiert werden kann. Dahinter öffnet sich eine verborgene Welt voller riesiger Hallen und geheimnisvoller Gänge.
Die Erforschung dieser Unterwelt ist untrennbar mit einem Namen verbunden: Jochen Hasenmayer. Der Pionier des Höhlentauchens entdeckte 1985 den ersten großen luftgefüllten Raum und nannte ihn zu Ehren des Dichters Eduard Mörike den „Mörikedom“ – eine gewaltige Halle von 125 Metern Länge, 25 Metern Breite und 30 Metern Höhe. Trotz einer Querschnittlähmung nach einem Tauchunfall 1989 gab Hasenmayer nicht auf und entwickelte sogar ein spezielles Mini-U-Boot für weitere Expeditionen.
2006 folgte die nächste Sensation: Die Arbeitsgemeinschaft Blautopf entdeckte die „Apokalypse“ – einen Saal von 170 Metern Länge, 50 Metern Breite und 50 Metern Höhe. Es ist eine der größten Höhlenhallen Deutschlands, und die Forscher sind sich einig: Das System setzt sich vermutlich weit unter dem Albplateau fort. Kein Ende in Sicht.
Die traurige Nixe, die das Lachen lernte
Jeder Ort braucht seine Geschichte – und der Blautopf hat eine der schönsten. Sie stammt aus der Feder des schwäbischen Dichters Eduard Mörike, der 1853 in seinem Märchenroman „Das Stuttgarter Hutzelmännlein“ die Sage der schönen Lau erzählte.

Die schöne Lau war die Gemahlin eines alten Donaunix, der im Schwarzen Meer herrschte. Doch sie litt unter einer tiefen Melancholie, und wegen ihrer ständigen Traurigkeit konnte sie nur tote Kinder gebären. Zur Strafe verbannte ihr Mann sie in den Blautopf – erst wenn sie fünfmal von Herzen gelacht hätte, dürfe sie zurückkehren.
In ihrem prächtigen Unterwasserpalast am Grund des Blautopfs lebte die Lau mit Schwimmhäute tragenden Kammerfrauen, einem possierlichen Zwerg und allerlei Getier. Doch niemand vermochte sie zum Lachen zu bringen. Ihre Rettung kam schließlich von einer unerwarteten Seite: Durch einen offenen Brunnen im Keller des Nonnenhofs gelangte sie in die Menschenwelt und freundete sich mit der Wirtin Betha Seysolffin und deren warmherziger Familie an.
Im Kreise dieser herzlichen Schwaben erlebte die Nixe ihre fünf erlösenden Lacher – beim Kitzeln, einem gestohlenen Kuss, dem Anblick eines Kindernachttopfs und beim verzweifelten Versuch, den berühmten schwäbischen Zungenbrecher auszusprechen: „’s leit a Klötzle Blei glei bei Blaubeura, glei bei Blaubeura leit a Klötzle Blei.“ Probier’s mal aus – du wirst verstehen, warum selbst eine Nixe darüber lachen muss!
Mit dem fünften Lachen war der Bann gebrochen. Der Donaunix kam durch unterirdische Gewässer geschwommen, der Blautopf trat über vor Wasser und erneuerter Liebe. Bevor die schöne Lau in ihre Heimat am Schwarzen Meer zurückkehrte, hinterließ sie der Familie magische Geschenke als Dank für ihre Freundschaft.
Heute erinnert eine Steinskulptur des Bildhauers Fritz von Graevenitz am Blautopf an die schöne Lau. Und der „Klötzle Blei“ genannte Felsen in der Nähe sowie der Zungenbrecher sind bis heute Teil schwäbischer Kindheitserinnerungen. Übrigens: Die Geschichte war so beliebt, dass der Tatort sie 1993 aufgriff – „Bienzle und die schöne Lau“ wurde mit 12,72 Millionen Zuschauern eine der meistgesehenen Tatort-Folgen überhaupt.

Die historische Hammerschmiede von 1804 spiegelt sich malerisch im türkisblauen Wasser – eines der beliebtesten Fotomotive der gesamten Schwäbischen Alb.
Die Hammerschmiede – wo Wasserkraft Geschichte schrieb
Direkt neben dem Blautopf steht eines der markantesten Fotomotive der Region: die historische Hammerschmiede. Das malerische Fachwerkgebäude wurde 1742 als Schleifmühle und städtisches Wasserwerk errichtet und 1804 zur Hammerschmiede umfunktioniert, als der Huf- und Waffenschmied Abraham Friedrich hier seine Arbeit aufnahm.

Das Besondere: Das funktionstüchtige Wasserrad wird vom Abfluss des Blautopfs angetrieben. Über einen drei Meter langen Wellbaum setzt es die schweren Schmiedehämmer in Bewegung – eine Technik, die sich seit Jahrhunderten bewährt hat. Zur Ausstattung gehören Schmiedeesse, Blasebalg und Schleifstein. Nach dem Ende des regulären Betriebs 1956 wurde das Gebäude liebevoll restauriert und 1966 als Museum wiedereröffnet.
Wichtiger Hinweis für deinen Besuch: Die Hammerschmiede ist derzeit wegen der umfassenden Sanierung des Blautopf-Areals geschlossen. Die Arbeiten dauern voraussichtlich bis Ende 2028. In normalen Zeiten finden hier regelmäßig Schauschmiedevorführungen statt – ein echtes Highlight, wenn die Funken sprühen und der Hammer im Takt des Wasserrads auf das glühende Eisen niedersaust.
Das Geheimnis der blauen Farbe
Die wohl häufigste Frage am Blautopf: Warum ist das Wasser so unglaublich blau? Die Antwort liegt in einem faszinierenden physikalischen Phänomen namens Rayleigh-Streuung – dasselbe Prinzip, das auch den Himmel blau erscheinen lässt.
Das Wasser enthält winzige, nanoskalige Kalkpartikel, die beim Durchsickern durch das Karstgestein gelöst werden. Diese mikroskopisch kleinen Teilchen streuen das einfallende Sonnenlicht – und zwar blaues Licht mit seiner kürzeren Wellenlänge deutlich stärker als rotes. Gleichzeitig absorbiert das 21 Meter tiefe Wasser die langwelligen Farbanteile wie Rot, Orange und Gelb, während das blaue Licht reflektiert wird.
Die außergewöhnliche Klarheit des Wassers mit einer Sichttiefe von bis zu 20 Metern verstärkt diesen Effekt zusätzlich. Allerdings: Nach starken Regenfällen kann das Wasser auch grünlich oder sogar bräunlich erscheinen, wenn mehr Sedimente eingeschwemmt werden. Am intensivsten leuchtet der Blautopf an sonnigen Tagen nach längeren Trockenperioden – dann ist das Türkis wirklich atemberaubend.
Blaubeuren – mehr als nur der Blautopf
Wenn du schon mal hier bist, solltest du unbedingt auch das charmante Städtchen Blaubeuren erkunden. Die Stadt mit ihren rund 12.500 Einwohnern besitzt eine der besterhaltenen mittelalterlichen Altstädte Baden-Württembergs und liegt malerisch an der Deutschen Fachwerkstraße.
Das Kloster Blaubeuren, gegründet 1085 von den Pfalzgrafen von Tübingen, ist ein Juwel spätgotischer Kunst. Sein berühmter Hochaltar von 1493 – ein doppelflügeliger Altar der Ulmer Schule – gilt als eines der bedeutendsten spätmittelalterlichen Altarwerke im deutschsprachigen Raum. Das Chorgestühl von Jörg Syrlin dem Jüngeren bietet Platz für 66 Mönche und ist ein Meisterwerk der Schnitzkunst.
Ein absolutes Muss ist das Urgeschichtliche Museum Blaubeuren (URMU). Hier wird ein wahrer Weltschatz aufbewahrt: die Venus vom Hohle Fels – mit etwa 40.000 Jahren die älteste figürliche Menschendarstellung der Welt! Die nur sechs Zentimeter kleine Figur aus Mammutelfenbein wurde 2008 in der nahegelegenen Hohle-Fels-Höhle entdeckt. Ebenfalls ausgestellt sind die ältesten Musikinstrumente der Menschheit: Flöten aus Vogelknochen und Mammutelfenbein, die über 42.000 Jahre alt sind. Das Museum ist Teil des UNESCO-Welterbes „Höhlen und Eiszeitkunst der Schwäbischen Alb“.
Tipps für deinen perfekten Besuch
Der Blautopf ist rund um die Uhr frei zugänglich – es gibt keine Eintrittsgebühr. Nach Bauarbeiten ist die Quelle seit Januar 2025 über zwei provisorische Gerüstbrücken wieder vollständig erreichbar. Die umfassende Sanierung des gesamten Areals dauert voraussichtlich bis Ende 2028, aber dem Naturerlebnis tut das keinen Abbruch.
Die beste Zeit für einen Besuch? Wenn du das intensivste Blau erleben möchtest, komm an einem sonnigen Tag nach einer längeren Trockenperiode. Die Monate Mai bis September bieten die besten Bedingungen, wobei Sommerwochenende sehr belebt sein können. Mein Tipp: Frühe Morgenstunden sind ideal – weniger Besucher, weiches Licht und eine fast mystische Atmosphäre, wenn der Morgennebel noch über dem Wasser liegt.
Für Fotografen empfehle ich einen Polfilter, der Reflexionen reduziert und die Farbsättigung verstärkt. Die beliebtesten Motive sind die Hammerschmiede mit Wasserrad, die Klosterspiegelung im stillen Wasser und natürlich die Schöne-Lau-Skulptur. Im Herbst bietet der Kontrast von blauem Wasser und buntem Laub besonders spektakuläre Bilder.
Die Anreise ist unkompliziert: Von Ulm fährt die Regionalbahn RB 55 in nur 11 bis 14 Minuten nach Blaubeuren. Vom Bahnhof sind es etwa 20 Minuten Fußweg durch die malerische Altstadt zum Blautopf. Mit dem Auto gibt es ausgeschilderte Parkplätze im Stadtgebiet – direkt am Blautopf ist kein Parken möglich.
Rollstuhlfahrer können den Blautopf über barrierefreie Aussichtsplattformen gut einsehen. Der komplette Rundweg ist jedoch nicht barrierefrei – Treppen und unebene Wege machen ihn für Rollstühle und Kinderwagen ungeeignet.
️ Mehr Ausflugsziele entdecken
Hier findest du die meiner Meinung nach schönsten Ausflugsziele auf der Schwäbischen Alb. An allen Orten bin ich selber mehrfach gewesen. Die Schwäbische Alb bietet einige Sehenswürdigkeiten, die du unbedingt entdecken solltest. Wir sehen uns – auf der wunderschönen Schwäbischen Alb.
Fakten & Besucherinfos auf einen Blick
- Adresse: Blautopfstraße 7–9, 89143 Blaubeuren
- Öffnungszeiten: Rund um die Uhr frei zugänglich
- Eintrittspreise: Kostenlos
- Parkmöglichkeiten: Ausgeschilderte Parkplätze im Stadtgebiet (gebührenpflichtig Mo–So, 8–18 Uhr), kein Parken direkt am Blautopf
- Wohnmobil-Stellplatz: Dodelweg 20, 21 Plätze, max. 3 Tage, mit Strom und WLAN
- Anfahrt ÖPNV: RB 55 von Ulm Hbf, Fahrzeit 11–14 Minuten, dann ca. 20 Min. Fußweg
- Barrierefreiheit: Aussichtsplattformen barrierefrei, Rundweg nicht für Rollstühle geeignet
- Hinweis: Sanierung des Areals bis voraussichtlich Ende 2028 – Zugang weiterhin möglich
- Google Maps: Blautopf auf Google Maps öffnen
- Offizielle Website: Mehr Infos >>
Ein Ort, der die Seele berührt
Warst du schon einmal am Blautopf? Hast du versucht, den Zungenbrecher der schönen Lau aufzusagen? Oder bist du vielleicht sogar bei einer der seltenen Schauschmiedevorführungen dabei gewesen? Ich würde mich freuen, von deinen Erlebnissen zu hören!
Der Blautopf ist einer dieser magischen Orte, die man erlebt haben muss. Nicht nur wegen des spektakulären Blaus, das jeden Besucher in seinen Bann zieht. Sondern auch wegen der Geschichten, die dieser Ort erzählt – von mutigen Höhlenforschern, die in die Tiefe tauchten, von einer traurigen Nixe, die das Lachen lernte, und von Jahrmillionen geologischer Geschichte, die hier sichtbar wird.
Wenn du am Ufer stehst und in dieses unwirkliche Türkis blickst, dann verstehst du, warum Eduard Mörike hier seine schönste Sage ansiedelte. Der Blautopf ist mehr als eine Sehenswürdigkeit – er ist ein Fenster in eine andere Welt. Eine Welt, in der die Grenzen zwischen Realität und Märchen verschwimmen, genau wie die Spiegelungen der alten Hammerschmiede auf der glitzernden Wasseroberfläche.
Die Schwäbische Alb steckt voller solcher Wunder – man muss nur hinschauen. Der Blautopf ist dabei vielleicht das Strahlendste von allen.
Hi, ich bin Alexander!
Ich bin der Betreiber dieses Blogs und die Schwäbische Alb ist einer meiner Lieblingsplätze seit vielen Jahren. Die unberührte, raue Natur der Alb hat mich schon immer in den Bann gezogen. Mit dem Schwäbische Alb Guide will ich dir diese faszinierende Region näherbringen – denn sie geht neben dem Schwarzwald leider oft ein wenig unter, hat aber unglaublich viel zu bieten!
Da ich hier in der Region lebe und ständig auf der wunderschönen Schwäbischen Alb unterwegs bin, stelle ich dir die schönsten Orte, Sehenswürdigkeiten und Landschaften mit Fotos und Videos vor. Denn die Natur macht glücklich.
Hast du Fragen, ein Geschäft, ein Restaurant oder etwas ganz Besonderes auf der Alb entdeckt – oder eine Idee für guten Inhalt? Schreib mir gerne einen Kommentar – ich freue mich darauf, mir das anzusehen und darüber zu berichten!
Bis dann auf der Alb! ️
– Alex




